Glossar der Nachhaltigkeit
Präzise Definitionen, aktuelle Kennzahlen und Branchenvergleiche für die tägliche Arbeit in Marketing, Strategie und Beratung.
Bio / Organic
Begriffe für landwirtschaftliche Produkte aus ökologischem Anbau. In der EU durch die EG‑Öko‑Verordnung geschützt: Produkte müssen zu mindestens 95 % aus kontrolliert biologischen Zutaten bestehen.
Brand Clarity Audit
Eine standardisierte Analyse von environdly, die Ihre Markenkommunikation auf Greenwashing‑Risiken, rechtliche Fallstricke (EmpCo, UWG) und messbare Nachhaltigkeitsanker prüft. Ergebnis ist ein klarer Handlungsrahmen.
Branding
Alle Maßnahmen, die eine Marke prägen – von Logo und Farbwelt bis zu Tonalität und Erlebnissen. Nachhaltiges Branding integriert ökologische und soziale Werte glaubwürdig.
Brand Positioning
Die strategische Verankerung einer Marke im Bewusstsein der Zielgruppe. Im Nachhaltigkeitskontext: echte Wirkung belegen, nicht Absichtserklärungen abgeben.
Carbon Offsetting (Kompensation)
Freiwillige Finanzierung von Klimaschutzprojekten als Ausgleich eigener Emissionen. Die EmpCo‑Richtlinie verbietet ab 2026 pauschale „klimaneutral“‑Claims, die ausschließlich auf Kompensation basieren, ohne transparent zu machen, wie viel kompensiert wird.
Circular Economy (Kreislaufwirtschaft)
Wirtschaftssystem, das Abfall vermeidet, indem Produkte und Materialien möglichst lange genutzt, repariert, wiederaufbereitet und recycelt werden.
CO₂e (CO₂‑Äquivalente)
Maßeinheit, um die Klimawirkung verschiedener Treibhausgase (z. B. Methan, Lachgas) in eine gemeinsame Größe umzurechnen. 1 kg Methan entspricht 28 kg CO₂e.
Cradle to Cradle (C2C)
Zertifizierungsstandard für zirkulär produzierte Produkte: technische oder biologische Kreisläufe, keine giftigen Stoffe, erneuerbare Energie, Wasserschonung, soziale Fairness.
CSDDD (Corporate Sustainability Due Diligence Directive)
EU‑Lieferkettenrichtlinie (2024), die Unternehmen verpflichtet, menschenrechtliche und umweltbezogene Risiken in der gesamten Wertschöpfungskette zu identifizieren, zu verhindern und zu beheben.
CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive)
EU‑Richtlinie, die große Unternehmen ab 2025 verpflichtet, nach einheitlichen europäischen Standards (ESRS) über Nachhaltigkeitsaktivitäten zu berichten.
Digital Product Passport (DPP)
EU‑Konzept für eine produktspezifische Datensammlung (Materialien, Reparierbarkeit, Recyclinganteil, CO₂‑Fußabdruck). Ab 2026 schrittweise verpflichtend (zuerst Batterien, dann Textilien).
Doppelte Wesentlichkeit (Double Materiality)
Kernkonzept der CSRD: Unternehmen müssen zwei Perspektiven berichten – wie Umwelt‑/Sozialthemen das Unternehmen finanziell beeinflussen (finanzielle Wesentlichkeit) und wie das Unternehmen auf Umwelt und Gesellschaft wirkt (ökologische Wesentlichkeit).
Downcycling
Wiederverwertung von Materialien zu Produkten geringerer Qualität (z. B. Textilien zu Putzlappen). Besser als Deponierung, aber weniger ambitioniert als Upcycling.
EmpCo (Empowering Consumers for the Green Transition)
EU‑Richtlinie (Anwendung ab September 2026), die allgemeine Umweltaussagen wie „klimaneutral“ oder „umweltfreundlich“ verbietet, wenn sie nicht durch konkrete Nachweise belegt sind.
ESRS (European Sustainability Reporting Standards)
Technische Berichtsstandards zur CSRD. Sie legen fest, welche Umwelt‑, Sozial‑ und Governance‑Daten Unternehmen erfassen und offenlegen müssen.
EU‑Taxonomie
Klassifizierungssystem für ökologisch nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten (sechs Umweltziele). Ein Unternehmen muss technische Kriterien erfüllen, um eine Aktivität als „taxonomiekonform“ auszuweisen.
GHG Protocol
Weltweit anerkannter Standard zur Bilanzierung von Treibhausgasemissionen, unterteilt in Scope 1 (direkte Emissionen), Scope 2 (Energiebezug) und Scope 3 (vorgelagerte und nachgelagerte Lieferketten).
Green Claims
Umweltaussagen in Werbung oder Produktkommunikation. Ab 2026 verbietet EmpCo pauschale, unbelegte Claims; erlaubt sind nur solche, die auf messbaren, überprüfbaren Maßnahmen beruhen.
Green Claims Directive
Alternative Bezeichnung für EmpCo. Strengere Regeln für Umweltaussagen in der Werbung.
Greenhushing
Strategischer Rückzug aus der Umweltkommunikation aus Angst vor Abmahnungen oder Greenwashing‑Vorwürfen.
Greenwashing
Irreführende Darstellung von Produkten oder Unternehmen als umweltfreundlicher, als sie tatsächlich sind. Beispiele: unbegründete „klimaneutral“‑Labels, vage Begriffe wie „grün“ ohne Beleg.
LCA (Life Cycle Assessment)
Ökobilanz, die Umweltaussagen eines Produkts über den gesamten Lebenszyklus analysiert (Rohstoff → Produktion → Nutzung → Entsorgung).
Lieferkette (Supply Chain)
Alle Schritte von der Rohstoffgewinnung bis zur Auslieferung. Transparente Lieferketten sind Grundvoraussetzung für glaubwürdige Nachhaltigkeitsaussagen.
Lieferkettengesetz (LkSG)
Deutsches Gesetz (seit 2023), das Unternehmen ab 1.000 Mitarbeitern verpflichtet, menschenrechtliche und umweltbezogene Risiken in der Lieferkette zu identifizieren und zu dokumentieren.
Materiality Assessment (Wesentlichkeitsanalyse)
Systematischer Prozess zur Identifikation der Themen, die für ein Unternehmen und seine Stakeholder am relevantesten sind. Grundlage der CSRD‑Berichterstattung.
Nachhaltigkeit (Sustainability)
Befriedigung gegenwärtiger Bedürfnisse, ohne die Fähigkeit künftiger Generationen zu gefährden (Brundtland‑Definition). Umfasst ökologische, ökonomische und soziale Dimensionen.
Nachhaltiges Marketing (Sustainable Marketing)
Ausrichtung aller Marketingaktivitäten an ökologischen und sozialen Prinzipien – transparent, belegbar, ohne Greenwashing.
Nachhaltigkeitsmanagement (Sustainability Management)
Systematisches Planen, Steuern und Kontrollieren von Umwelt‑ und Sozialzielen – von Datenerhebung über Zielsetzung bis Berichterstattung.
Nearshoring
Verlagerung von Produktionsschritten in geografisch nahe Länder (z. B. von Asien nach Osteuropa). Reduziert Transportemissionen und erhöht Lieferkettentransparenz.
On‑Demand‑Produktion
Fertigung erst nach Eingang einer Bestellung – nicht auf Vorrat. Reduziert Lagerbestände, Überproduktion und Abschriften.
Productized Services
Standardisierte Dienstleistungen mit Fixpreis und klarem Leistungsumfang. Beispiele bei environdly: Brand Clarity Audit, Brand Clarity Sprint.
Recon OS
Proprietäre Technologieplattform von environdly. Automatisiert die Erhebung, Plausibilisierung und Benchmarking von Umweltdaten auf Basis öffentlicher Datenbanken (GEMIS, DEFRA, GHG Protocol).
Science Based Targets (SBTi)
Klimaziele, die auf aktuellem Stand der Klimawissenschaft basieren und mit dem Pariser Abkommen (1,5 °C) vereinbar sind.
Scope 1, 2, 3
Siehe GHG Protocol.
Scope 4 (Avoided Emissions)
Inoffizieller Begriff für Emissionen, die außerhalb der eigenen Wertschöpfungskette vermieden werden (z. B. Elektroauto statt Verbrenner). Methodik umstritten.
SDG (Sustainable Development Goals)
17 globale Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung (Agenda 2030). Unternehmen nutzen sie als Rahmen für Nachhaltigkeitsstrategien.
Strategieagentur (Strategy Agency)
Beratung auf Ebene der grundlegenden Ausrichtung – nicht operativ. Markenpositionierung, Geschäftsmodelle, Nachhaltigkeitsstrategie, Kommunikationsarchitektur.
Strukturierte Daten (Schema.org)
Code (JSON‑LD) in Webseiten, der Suchmaschinen und KI‑Systemen den Inhaltstyp erklärt (Case Study, FAQ, Artikel). Verbessert Sichtbarkeit in Rich Snippets und KI‑Zitaten.
Upcycling
Wiederverwertung von Materialien zu höherwertigen Produkten (z. B. aus LKW‑Planen werden Taschen).
UWG (Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb)
Nationale deutsche Rechtsgrundlage für Abmahnungen bei irreführender Werbung – auch für Umweltaussagen.
White Label
Dienstleistungen oder Software, die unter der Marke eines anderen Unternehmens vertrieben werden.
Zirkuläre Wirtschaft (Circular Economy)
Siehe Circular Economy